


Stiftung Warentest hat 2008 das Berufsbild des Heilpraktikers unter die Lupe genommen.
In der Analyse findet man unter anderem diese Überschrift:
Gerade weil dieser Beruf mittlerweile viel Akzeptanz und Anerkennung in unserer Gesellschaft erfährt und er von 20- bis 25.000 Leuten (je nach Quellenangabe) in Deutschland praktiziert wird, sollte jeder wissen, was eigentlich damit gemeint ist.
Es handelt sich erst mal nicht um einen Ausbildungsberuf; desweiteren gibt es dafür auch keine rechtsverbindliche Berufsordnung.

Jeder, der das Alter von 25 Jahren erreicht hat, ein ärztliches Attest und ein polizeiliches Führungszeugnis sowie einen Hauptschulabschluss vorweisen kann, wird zur Heilpraktikerprüfung, die vom zuständigen Gesundheitsamt abgenommen wird, zugelassen.
Ferner existiert weder eine vorgeschriebene Ausbildungs- und Prüfungsordnung, noch eine Fortbildungspflicht, noch eine Vorschrift, die Gesundheitsämter verpflichtet, bestehende Praxen zu überprüfen.
An einen bestandenen schriftlichen Multiple-Choice-Test (40 von 65 Fragen müssen richtig beantwortet werden) schließt sich eine mündliche Prüfung an.
Alle Fragen beschränken sich auf das Abprüfen medizinischen Wissens und somit nicht auf die unzähligen Therapiegebiete, die in der Praxis von Heilpraktikern angeboten werden.
Es gibt keinerlei staatlich festgelegte Voraussetzungen oder Bedingungen, die die Qualität eines Heilpraktikers gewährleisten.
Der Freiraum in der Therapiewahl hat außerdem zur Folge, dass wissenschaftlich nicht haltbare Verfahren unbegrenzt zum Einsatz kommen.
Letztendlich stellt sich sowieso die Frage, warum es diesen Berufsstand überhaupt gibt, bzw. warum zur Zulassung nur medizinisches Wissen verlangt wird, das von jeder Arzthelferin und Altenpflegerin weit übertroffen werden muss sowohl in der Theorie als auch in der Praxis, um unter Anweisung eines Arztes beruflich tätig sein zu dürfen.
Tatsache ist auf alle Fälle, dass wenn ein Heilpraktiker “gut tut”, es daran liegt, dass er sich Zeit nimmt und im Prinzip psychologisch und seelsorgerisch tätig ist, wobei er auch dafür null Qualifikationen hat, bzw. nachweisen muss. Erzielte Erfolge von Therapien lassen sich in der Regel nur über den Placebo-Effekt erklären. Wer jedoch nicht privat versichert ist, muss dafür teuer bezahlen und riskiert zudem eventuell eine medizinische Behandlung, die nachweislich wirkt und somit die beste Hilfe darstellt.
Man darf bei dem Ganzen auch nicht vergessen, dass die privaten Krankenkassen mittlerweile jährlich weit über 100 Millionen Euro an Heilpraktiker überweisen. Da sich in den letzten Jahren immer mehr Privatversicherer für die Kostenübernahme von Heilpraktikerleistungen geöffnet haben, stieg auch die Anzahl der Praktizierenden in diesem Gewerbe. Ich kann aus meiner persönlichen Erfahrung nur sagen, dass es sich dabei auch um viele esoterische Anbieter handelt, die somit Lunte gerochen haben und eine Heilpraktikerprüfung nachträglich absolvierten, um ihre Pseudo-Methoden über die Kassen abrechnen zu können.
Unser Heilpraktikergesetz stammt schließlich aus dem Jahr 1939. Dass hier einiges im Argen liegen muss, sollte jedem denkenden Menschen klar sein. Nur warum sich politisch niemand darum kümmert, dies zu ändern, bleibt mehr als ein Rätsel.
Ferner würde ich jedem raten, selber nachzulesen, wie die verschiedenen alternativen Therapiemethoden einzuschätzen sind. Hier finden Sie eine unvollständige Liste, die ständig erweitert wird:
21.2.2009 bei 14:20
Es gibt Städte da gibt es mittlerweile mehr Heilpraktiker als Bedarf dafür. Da überleben nur die mit dem größten Schild vor der Tür oder den größten Heils-Versprechungen. Der Patient ist fast immer der Dumme und zwar im wahrsten Wortsinn…
24.2.2009 bei 17:36
“Aberglaube Homöopathie”
http://kritischgedacht.wordpress.com/2008/06/04/aberglaube-homoopathie/
19.3.2009 bei 12:19
Durch die Überarbeitung von Esowatch stimmt der obige link nicht mehr.
Die Kategorie heisst jetzt Pseudowissenschaft
http://esowatch.com/index.php?title=Kategorie:Pseudowissenschaft
19.3.2009 bei 12:28
@ Magrat,
vielen Dank für den Hinweis. Sehr aufmerksame Geste.
Ich werde dies im Beitrag umgehend überprüfen und die Linkadresse entsprechend korrigieren.
12.4.2009 bei 13:21
Ein sehr empfehlenswertes Buch zum Thema: “Gesund ohne Pillen - Was kann die Alternativmedizin?”
http://astore.amazon.de/gwupdieskept-21/detail/3446233016
Und ein Interview mit einem der beiden Autoren:
http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/schweiz/standard/Homoeopathie-ist-eine-widerlegte-Methode/story/16361064
“Homöopathie ist eine widerlegte Methode”
Edzard Ernst, der weltweit erste Professor für Komplementärmedizin, geht mit seiner Disziplin hart ins Gericht. Er zahlt jedem 100′000 Dollar, der ihm die Wirksamkeit von Homöopathie nachweist.[…]
12.12.2009 bei 00:45
Investigativ? …oder haben Sie den Mut dies zu veröffentlichen?
Zitat: “Gerade weil dieser Beruf mittlerweile viel Akzeptanz und Anerkennung in unserer Gesellschaft erfährt und er von 20- bis 25.000 Leuten (je nach Quellenangabe) in Deutschland praktiziert wird, sollte jeder wissen, was eigentlich damit gemeint ist.”
Und jetzt wird den Blinden die Augen geöffnet?!? Dem Himmel sei Dank gibt es diesen blog.
Zitat: “…existiert weder eine vorgeschriebene Ausbildungs- und Prüfungsordnung,…”
Irrtum! Es existiert eine “Durchführungsverordnung zum Gesetz über die berufsmäßige Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung (Heilpraktikergesetz” Siehe hier: http://www.gesetze-im-internet.de/heilprgdv_1/BJNR002590939.html
Zitat: “An einen bestandenen schriftlichen Multiple-Choice-Test (40 von 65 Fragen müssen richtig beantwortet werden) schließt sich eine mündliche Prüfung an.”
Irrtum! Es ist in Wirklichkeit gravierender. Von 60 Fragen müssen 45 richtig beantwortet werden.
Zitat: “Erzielte Erfolge von Therapien lassen sich in der Regel nur über den Placebo-Effekt erklären.”
Ja klar, deswegen überweisen die “privaten Krankenkassen mittlerweile jährlich weit über 100 Millionen Euro an Heilpraktiker”. Unsinn!!! Der Patient reicht seine Rechnung bei der PKV ein und bekommt, wenn die PKV überhaupt HP-Rechnungen anerkennt, i.d.R. nur einen Teilbetrag erstattet! Und das nur, wenn die in der Liquidation aufgeführten Verfahren “wissenschaftlich” anerkannt sind. Also kein Reiki, Bachblüten oder ähnlicher esoterischer Nonsens!
Zitat: “Unser Heilpraktikergesetz stammt schließlich aus dem Jahr 1939.”
Alle die einen Volkswagen fahren sollten tunlichst vermeiden, beispielsweise die A 5, A 7, A 8 zu befahren. Sowohl VW als auch die Autobahnen sind schließlich mit dem 3. Reich eng assoziiert.
Der Autor dieser Zeilen möge sich um seiner Seriosität willen die Mühe machen, sich z.B. mit Experten wie Prof. Hartmut Heine zu befassen, bevor er sich dermaßen blasiert über ein Thema echauffiert, mit dem er sich offenkundig nicht auseinandergesetzt hat.
Letzte Schreckensmeldung: Die WHO ist inzwischen von Kurpfuschern unterwandert worden: http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs134/en/
Ein Heilpraktiker
12.12.2009 bei 16:25
Herr Heilpraktiker,
dass Sie Ihren Standesdünkel vehement verteidigen, ist ja nicht verwunderlich. Es ändert jedoch nichts daran, dass ausschließlich in Deutschland jeder Depp eine Heilpraktikerprüfung absolvieren kann und auf die Menschheit losgelassen wird.
Wenn Sie von anerkannten wissenschaftlichen Verfahren und Seriösität sprechen, ist das nur lachhaft. Evidenzbasierte Verfahren erfordern in der Ausübung eine Fachkompetenz. Wie sollte ein Heilpraktiker diese denn erworben haben? Ergo, alles, was unter ihr Angebot fällt, basiert auf dem Motto: “Was keinen Nutzen hat, kann auch nicht schaden”, auch wenn genau das viele nicht wahrhaben wollen.
Ihre angeblichen Erfolge erzielen sie nur, weil Befindlichkeitsstörungen sowieso wieder von selbst verschwinden, es gibt schließlich für Ihre Methoden keinen Kausalitätsnachweis. Geht bei ernsthaften Krankheiten etwas schief, dann muss sowieso wieder der Arzt herhalten und die Versäumnisse ausbaden. Werden Patienten gleichzeitig von Ihnen und medizinisch versorgt, dann schreiben Sie sich natürlich die Erfolge zu.
Hier mal ein paar Links, die Ihnen Ihre Berufs-Berechtigung ganz schön absprechen:
Alternativdiagnosen mit schlechten Ergebnissen:
http://www.gwup.org/infos/nachrichten/429-alternativdiagnosen-mit-schlechten-ergebnissen
Bioresonanz-Therapie: http://www.gwup.org/component/content/article/77-komplementaer-und-alternativmedizin-cam/843-bioresonanz-therapie
Eine Revolution der Physik? Die Unterstützung der Homöopathie und ähnlicher Therapierichtungen durch die Krankenkassen:
http://www.gwup.org/component/content/article/77-komplementaer-und-alternativmedizin-cam/744-homoeopathie-eine-revolution-der-physik
Das sind jetzt nur mal ein paar ernüchternde Fakten und Sie dürfen mir natürlich gerne mitteilen, mit welchen “wissenschaftlichen” Methoden Sie persönlich arbeiten. Ich gehe dann gerne näher konkret darauf ein.
Heilpraktiker können ausschließlich gute Seelsorger sein, da erfüllen sie auch einen nützlichen Zweck, nur sollte man das Kind eben beim Namen nennen und nicht so tun als ob.
Was jedoch ganz übel aufstößt, ist zudem die Tatsache, dass es für HPs Krankheiten gibt, die es eigentlich nicht gibt. Hier baut man sich eine geschäftliche Sicherheit auf, die Menschen zu therapiebedürftigen Kranken macht, um daran zu profitieren. Beste Beispiele dafür sind Darmverpilzungen und Entgiftungen: http://www.esowatch.com/index.php?title=Krankheitserfindung
http://www.esowatch.com/index.php?title=Entgiftung
12.12.2009 bei 16:55
@Heilpraktiker: Auch sie bewegen sich auf dem nicht vorhandenen dünnen Eis und versuchen, Wirksamkeit von Methoden von der Erstattung von Krankenkassen abzuleiten. Sind sie wohl auch der Ansicht, dass Naturgesetze je nach Förderung der Universitäten, den Staat oder sonstiger Drittmittel mehr oder weniger gelten? Krankenkassen wollen Mitglieder, die wenig kosten. Krankenkassen sind keine Instanz, die auch nur irgendwie geeignet wäre, ein fundiertes wissenschaftliches Urteil abzugeben.
Sind sie sich eigentlich im Klaren darüber, dass die allermeisten Erkrankungen (man schätzt auf 80%) von selbst wieder verschwinden? Heilpraktiker sind im besten Falle Seelsorger und im schlimmsten Schmarotzer des Systems.
Es gibt definitiv nichts, was diesen “Berufs”stand rechtfertigen würde, außer diese überkommenen Gesetze aus den 1930 Jahren. Mit der selben Logik müssten wir auch Flugpraktiker (Prüfung: Weiß wie man ein Flugzeug bedient) und Baupraktiker (Weiß, wie eine Hängebrücke aussieht)
haben.
12.12.2009 bei 17:45
Der Vergleich mit den Autobahnen und dem VW hinkt gewaltig. Auf den Autobahnen fährt man nicht mehr nach den Verkehrsregeln des 3. Reiches, die Verkehrszeichen entsprechen unserer Zeit und die Fahrbahn ist erneuert und für den heutugen Verkehr ausgelegt. Auch der VW hat nichts mehr gemein mit der Technik von früher.
Das HeilprG jedoch (http://www.gesetze-im-internet.de/heilprg/BJNR002510939.html) enthält Floskeln wie
“Wer durch besondere Leistungen seine Fähigkeit zur Ausübung der Heilkunde glaubhaft macht, wird auf Antrag des Reichsministers des Innern durch den Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung unter erleichterten Bedingungen zum Studium der Medizin zugelassen, sofern er seine Eignung für die Durchführung des Medizinstudiums nachweist.” (§ 2)
und
“Der Reichsminister des Innern erläßt … die zur Durchführung … dieses Gesetzes erforderlichen Rechts- und Verwaltungsvorschriften.” (§ 7)