Oktober 2008
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“Seminar für Waldorfpädagogik Berlin” - ein Interview mit Andreas Lichte

Liebe Leser,

Wie bereits angekündigt, folgt hier mein Interview mit einem Insider der Waldorfpädagogik, Andreas Lichte.

Ich möchte Eltern damit eine wichtige Entscheidungshilfe für die Schulwahl geben.

Artikel zu diesem Thema führen immer wieder zu Massensendungen mit Jubelkommentaren zur Waldorfpädagogik, wie sie auch bei Zeitungsredaktionen regelmäßig zu beobachten sind. Wir werden derartigen Botschaften hier kein Forum bieten und Zuschriften dieser Art nicht veröffentlichen.

INTERVIEW mit Andreas Lichte vom 20.Oktober 2008

Elke REIHL:

Herr Lichte, in Ihrem Erlebnisbericht “Wundersame Waldorf-Pädagogik oder Atlantis als Bewusstseinszustand” beschreiben Sie die Ausbildung zum Waldorflehrer am “Seminar für Waldorfpädagogik Berlin”. Wie erlebten Sie Ihre erste Begegnung mit der Waldorfpädagogik?

Andreas LICHTE:

Ich wollte Kunst- und Werklehrer werden und stellte eines Tages zu meiner grossen Überraschung fest, dass ich bei einer fundamentalistischen, religiösen Gemeinschaft gelandet war…

REIHL:

Was meinen Sie mit einer fundamentalistischen, religiösen Gemeinschaft? Eine “Sekte”?

LICHTE:

Wenn Sie es “Sekte” nennen wollen, würde ich Ihnen jedenfalls nicht widersprechen.

Ich befand mich plötzlich in einem Paralleluniversum. Aber das sollte hoffentlich an meinem Erlebnisbericht “Wundersame Waldorfpädagogik…” deutlich werden - genau deshalb habe ich ihn nämlich geschrieben - geschrieben für meine Nichten und Neffen, die damals noch eine öffentliche Schule besuchten. Wenn ich da alles gebracht hätte, was sonst noch so passiert ist, hätten Sie mich für “bekloppt” gehalten. Sie haben also die “FSK 16″ Version meiner Erlebnisse im “Seminar für Waldorfpädagogik” vor sich.

REIHL:

Würden Sie sagen, dass Ihre Erfahrungen auch auf andere deutsche Waldorf- Seminare übertragbar sind?

LICHTE:

Schauen Sie sich die hervorragende 45-minütige TV-Dokumentation des SWR: “Betrifft: Wie gut sind Waldorfschulen?” von 2006 an. Der Autor, Dr. Dietrich Krauß, dokumentiert darin die Waldorf-Lehrausbildung an der “Freien Hochschule Stuttgart”. Für mich zum Verwechseln ähnlich mit der Berliner Situation. Auch die Diplom-Arbeiten, die in Stuttgart abgeliefert wurden, hatten in etwa das gleiche unterirdische Niveau der Berliner “Seminararbeiten”. Siehe dazu den Artikel von Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes:

“Schule und Lehrerbildung im Zeichen von Atlantis und Saturn”

Zitat: “Vom Mai 2006 stammt die [Diplom-] Arbeit “Alternative Betrachtungen zum Krankheitsbild AD(H)S”, also zur Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Eine der zentralen Aussagen lautet:

Es geht hier vor allem um kosmische und irdische Einflüsse.” Anschließend folgen seitenlang Betrachtungen etwa über den Kalender der Maya, das Wassermann-Zeitalter, die Metamorphose vom Geistigen ins Physische und die in Revolutionsjahren (etwa 1789, 1848 und 1917) ausgeprägten Sonnenfleckenmaxima. Auf Seite 56 der Arbeit folgt immerhin der Satz: “Das klingt im ersten Moment unwissenschaftlich”. Und auf Seite 86 heißt es: “Künstlerische Betätigung macht das Kind innerlich reich, wohingegen intellektuelle Betätigung das Gegenteil bewirkt”.

“Über das Rauchen - Versuch ein Massenphänomen zu verstehen” lautet das Thema einer Abschlussarbeit vom Mai 2005. Darin heißt es unter anderem:

“Die Tabakpflanze mutet an wie eine äußere Manifestation des Ringens des Menschen zwischen Materie einerseits und göttlich-geistigen Ursprungs andererseits”. Auch biografische Bezüge zu Steiner fehlen nicht: “Die dem Tabak und dem Nikotin  innewohnende Nähe sowohl zum höchst Irdischen als auch zum Überirdisch-Göttlichen scheint den Gebrauch von Tabak auch für den Menschen von so außergewöhnlichem Format, wie Steiner es war, attraktiv gemacht zu haben”. (Den Anstoß zur Gründung der ersten Waldorfschule gab 1919 der Stuttgarter Unternehmer Emil Molt, Besitzer der Zigatettenfabrik Waldorf-Astoria)

Mit Wissenschaft und wissenschaftlicher Ausbildung, wie sie das Grundgesetz auch von Lehrern an freien Schulen verlangt, hat das wenig zu tun. Offenbar sind an der “Freien Hochschule” die Fortschritte von mindestens einem Jahrhundert naturwissenschaftlicher, psychologischer, didaktischer und pädagogischer Wissenschaft vorbeigezogen. Wissenschaft heißt auch kritische Distanz, undogmatischer Zugang; heißt, dass Erkenntnisse permanent verifizierbar und falsifizierbar sein müssen. An wohl kaum einem Gymnasium in Deutschland würde eine solche Arbeit als Facharbeit für die Oberstufe anerkannt. Und ein Lehrerausbilder im staatlichen Bereich, der dergleichen “Arbeiten” durchgehen ließe, müsste sich bald - und zu Recht - vor seine Chefs zitieren lassen”. [Zitat Ende]

Auch kenne ich Aussagen von Seminaristen anderer deutscher Waldorfseminare: positive Ausnahmen sind mir nicht bekannt…

REIHL:

Gehen Sie davon aus, dass sich die Ausbildung mittlerweile geändert hat?

LICHTE:

Ein Mit-Seminarist bezeichnete die Ausbildung ja als “Gehirnwäsche”.Sie ist jetzt gründlicher als jemals zuvor: jetzt zwei Jahre “Gehirnwäsche” statt ein Jahr wie zu meiner Zeit am “Seminar für Waldorfpädagogik Berlin”

Im Frühjahr 2007 kontaktierten mich verschiedene Teilnehmer des Berliner Waldorfseminars. Sie riefen mich an, weil sie “alles wiedererkannt” hatten, das ich in “Wundersame Waldorfpädagogik…” beschrieben habe.

REIHL:

Hat die “Stuttgarter Erklärung” des Bundes der freien Waldorfschulen, in der man sich offiziell vom Rassismus Rudolf Steiners distanzierte, eine Auswirkung auf Lehrinhalte an Waldorfschulen, bzw. hat sich dadurch in der Praxis etwas geändert?

LICHTE:

Die “Stuttgarter Erklärung” bedeutet keinesfalls eine Kursänderung des Bundes der freien Waldorfschulen. In der “Stuttgarter Erklärung” heißt es,

Zitat:”Die Freien Waldorfschulen sind sich bewusst, dass vereinzelt Formulierungen im Gesamtwerk Rudolf Steiners nach dem heutigen Verständnis nicht dieser Grundrichtung entsprechen und diskriminierend wirken”.

Das ist eine bewusste Falschdarstellung: Steiners Rassismus resultiert aus seiner esoterischen Evolutionslehre, die wesenhaft für die Anthroposophie ist, es handelt sich eben NICHT nur um “vereinzelte Formulierungen”. Vergleiche dazu Helmut Zander, “Anthroposophie in Deutschland”,

Zitat: “Steiner ordnete die Rassen einer  Fortschrittsgeschichte zu, in der beispielsweise heutige Indianer als >degenerierte Menschenrasse< im >Hinsterben< (GA 105, 106, 107 [1908] oder schwarze Afrikaner als defiziente Spezies der Menschen- und Bewusstseinsentwicklung, als >degenerierte<, >zurückgebliebene< Rasse (ebd., 106) erschienen. Umgekehrt habe die weisse Rasse >das Persönlichkeitsgefühl am stärksten ausgebildet< (GA 107, 288 [1909]. Dies sind nur Kernsätze einer Rassentheorie, die Steiner 1904 erstmals formulierte, um sie 1910 in einem komplexen System und in zunehmender Abgrenzung zu theosophischen Positionen auszufalten. Mit seinem Ausstieg aus der Theosophie hat er diese Vorstellungen keinesfalls über Bord geworfen, sondern sie 1923 nochmals in Vorträgen vor Arbeitern des Goetheanum in vergröberter, >popularisierter< Form wiederholt, aber ohne Revision im inhaltlichen Bestand. Die weisse war nun >die zukünftige, die am Geiste schaffende Rasse< (GA 349,67 [1923])

(…)

Steiner formulierte mit seinem theosophischen Sozialdarwinismus eine Ethnologie, in der die Rede von >degenerierten<, >zurückgebliebenen< oder >zukünftigen< Rassen keine >Unfälle< sondern das Ergebnis einer konsequent durchgedachten Evolutionslehre waren. Ich sehe im Gegensatz zu vielen Anthroposophen keine Möglichkeit, diese Konsequenz zu bestreiten”.

Ansgar Martins, Waldorfschüler, hat einen beeindruckenden Artikel zur “Stuttgarter Erklärung” und Steiners Rassismus geschrieben:

“Die Philosophie der UN-Freiheit - Zu Rudolf Steiners Rassismus”

Positive Auswirkungen der “Stuttgarter Erklärung” auf die Lehrinhalte und die Praxis der Waldorfschulen sind natürlich nicht zu erwarten - es sei denn, der Protest der Waldorfschüler fände eine breitere Basis.

REIHL:

Man hört immer wieder , dass ehemalige Waldorfschüler durch ihre Eigenständigkeit, Toleranz und ein hohes Maß an kreativem Ausdruck positiv auffallen. Was sagen Sie dazu?

LICHTE:

Ein Mythos. Einer von vielen zur Waldorfschule.

Aber was bedeutet dieser vom Bund der Freien Waldorfschulen sorgsam gepflegte Mythos - diese durch nichts begründete Selbstdarstellung - für die öffentlichen Schulen? Es sagt doch nichts anderes als: Schüler öffentlicher Schulen sind uniform, intolerant, einfallslos…

REIHL:

Haben ehemalige Waldorfschüler eine bessere Chance auf ein erfolgreiches Hochschulstudium und damit auf Erfolg in einem akademischen Beruf?

LICHTE:

Ganz sicher nicht. Aber die soziale Herkunft der Schüler entscheidet über den Schulerfolg: beim priviligierten Elternhaus von Waldorfschülern überrascht es nicht, dass viele TROTZ der Waldorfschule Karriere machen.

Finanziell besser gestellte Eltern können beispielsweise auch für den massiven Nachhilfeunterricht aufkommen, der die Defizite der Waldorfschule ausbessern muss.

REIHL:

Werden Waldorfschüler automatisch zu Anthroposophen und damit zu Esoterikern?

LICHTE:

Nein. Es gibt keinen Automatismus.

Aber auch nicht jeder, der eine katholische Schule besucht,  wird später Priester. Trotzdem wird niemand ernsthaft bestreiten, dass eine katholische Schule versucht, zum Christlichen Glauben zu erziehen…

Heißt: Die weltanschauliche Beeinflussung in der Waldorfschule sollte auf gar keinen Fall unterschätzt werden.

REIHL:

Sie haben sich aktuell als eine der wenigen kritischen Stimmen im Diskussions-Forum der “Kulturzeit” zum Thema: “Was halten Sie von der Steiner-Pädagogik?” geäußert. Wie lässt sich die ungewöhnlich grosse Beteiligung an einem Thema erklären, das nur relativ wenige betrifft? Wieso überwiegt in den Beiträgen so offensichtlich das Lob für die Walforfschulen?

LICHTE:

“It’s A Dirty Job, But Someone’s Gotta Do It…”

Jeder, der sich kritisch zu Waldorfschulen äußert, wird binnen kürzester Zeit mit Schmutz beworfen. Am Tag danach gab es bereits einen Kommentar zu meinem Auftritt bei der “Kulturzeit”.

Zitat: “Das Internet bietet allerlei obskuren Kreuzzüglern gegen die Geisteswissenschaft [Anmerkung: “Geisteswissenschaft = Anthroposophie] eine ideale Plattform. Ich will all den Müll, der hier kursiert, gar nicht lesen, auch nicht, wenn er von angeblichen “Insidern” wie einem Andreas Lichte stammt, der sich nicht schämt, seine persönlichen Probleme vor großem Publikum zur Schau zu stellen”.

Keine Ausnahme, solche Kommentare sind die Regel. Deshalb kann ich TRAUMATISIERTEN Waldorfeltern nur davon abraten, sich an Diskussionen zu beteiligen: Aus einem noch so offentsichtlichen Versagen der Schule wird sofort ein Versagen der Eltern konstruiert, die mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert seien. Was sonst…

Das überproportionale Interesse an Diskussionen zur Waldorfschule ist kein Zufall:

Im April 2008 rief der Bund der Freien Waldorfschulen zur Manipulation eines online-votings der “Wirtschaftswoche” auf. Die wiwo titelte:

“wiwo.de-Leser verdächtig einig”

und schrieb: “Zustimmungsraten von über 90 Prozent mögen in totalitären Staaten häufig vorkommen…”

REIHL:

Warum werden Waldorfschulen so gut angenommen, gerade auch von Größen aus Politik und Wirtschaft, wie zum Beispiel Otto Schily?

LICHTE:

Im Falle Otto Schily stellt sich die Frage gar nicht erst: er stammt aus einem anthroposophischen Elternhaus, wie sein Bruder Konrad. Konrad Schily, Gründungsrektor der anthroposophischen Privatuniversität Witten-Herdecke, ist aktuell in der FDP für Gesundheit und Bildung zuständig… und leistet dadurch erfolgreiche Lobby-Arbeit für die Waldorfschulen und die Anthroposophie.

REIHL:

Ihre Äußerungen werfen die Frage auf, warum sich der Staat finanziell an Waldorfschulen beteiligt und warum es so wenig staatliche Initiative gibt, Waldorf durch und durch zu beleuchten?

LICHTE:

Meine Erfahrungen mit der Berliner Schulaufsicht lassen nur das Schlimmste vermuten: Die Schulaufsicht wurde detailliert über Probleme in der Waldorfschule und in der Waldorf-Lehrerausbildung informiert, handelte aber nicht. Siehe dazu die umfangreiche Korrespondenz, auszugsweise veröffentlicht im Esowatch-Blog

Auch im Jahre 2008 kann ich Fritz Beckmannshagen, Autor von “Rudolf Steiner und die Waldorfschulen”, leider nur Recht geben,

Zitat S. 29: “Der Kenner der pädagogischen Psychologie und ihrer umfangreichen Entwicklungsforschung steht verblüfft vor diesem kargen Modell [i.e. der Steinerschen Jahrsiebtelehre] und fragt sich vergeblich, wie ein renommiertes Schulsystem seit über sechzig Jahren, unbekümmert um die Fortschritte der Wissenschaft, danach arbeiten kann. Möglicherweise liegt gerade in der Anspruchslosigkeit des “Gerätes” seine Durchschlagkraft; dieses kann schließlich jeder begreifen und handhaben, auch ohne pädagogische Examen. Möglicherweise liegt sie auch in der okkulten Ableitung des ganzen oder aber in der schier unbegreiflichen ministeriellen Duldung und Förderung.

(…)

Heute [1984!] sind die Kultusministerien einiger Länder bezüglich der Waldorfschulen total unkritisch und unangemessen großzügig geworden. Ich kann mir dieses irrationale Verhalten nur erklären, indem ich vermute, daß an wichtigen Stellen der Ministerien stille Förderer der Bewegung sitzen und lenken, so daß man bald zutreffend von Okkultusministerien spricht”. [Zitat Ende]

REIHL:

Wenn Ihre Kritik zutrifft, warum hört man dann von anderen Waldorf-Lehrern so wenig darüber?

LICHTE:

Waldorf-Lehrer sind völlig unkritisch, würden nie Kritik nach außen tragen, da dies den Verlust des Arbeitsplatzes zur Folge hätte. Sie stünden vor dem Nichts, da sie an keiner öffentlichen Schule eingestellt würden. Dazu fehlt ihnen jegliche Qualifikation.

Ich habe den Test gemacht, versucht, mir meinen Abschluss am “Seminar für Waldorfpädagogik Berlin” in NRW als erstes Staatsexamen für das Lehramt anerkennen zu lassen: keine Chance.

REIHL:

Wie geht der Bund der Freien Waldorfschulen mit Ihrer Kritik um, bzw. wurden Sie persönlich darauf angesprochen?

LICHTE:

Der Bund der Freien Waldorfschulen hat mich zunächst völlig ignoriert, für nicht voll genommen. Siehe dazu beispielsweise den Stern- Artikel:

“Der Neger hat ein starkes Triebleben”

Zitat Stern: > Lichte sagt: “Der Indizierungsantrag ist für mich die ultima ratio, doch noch eine wirkliche Diskussion zur Anthroposophie und damit zur Waldorfpädagogik in Gang zu setzen”. Denn das Gespräch hatte er gesucht, auch bei Walter Hiller, seinerzeit Geschäftsführer des Bundes der Freien Waldorfschulen. Hiller antwortete auf Lichtes Bedenken. Er verteidigt Steiner und wirft Lichte mangelnde Einsicht in die Thematik vor: “Ich kann sehr gut verstehen, dass die spontane Begegnung mit Begriffen wie “absterbende Rasse”, “dekadente Abzweigung” im Zusammenhang mit dem Schicksal der Indianer geradezu wie eine Rechtfertigung für den unmenschlichen Umgang mit den Einwohnern Amerikas wirken”, meint Hiller. “Dies ist sicher nicht der einzige “Kurz-Schluss”, der sich beim Kennenlernen des Werkes Steiners zunächst ergeben kann, sicher aber der folgenreichste, weil die assoziierte Thematik mit ihrem Gewicht schon sehr viel gelassenes Erkenntnisstreben braucht, um den Gedanken von der “Entwicklung der Menschheit” nach-zu-denken, um seine aktuelle Relevanz zu prüfen”. <

Als deutlich wurde, dass ich mich weiter kritisch äußern würde, versuchte man mich zu diffamieren, ich war - unter anderem - schon:

  • “Shoah-Banalisierer” (Dorion Weikmann, Waldorf.net)
  • Alkoholiker, oder so etwas…  (Kommentar im Beatagenten- Blog)
  • Aus dem reaktionären konfessionellen Lager (z.B. Christoph Kühn, Goysworld-Blog)
  • eine “löchrige linke Socke” ( Beatagenten-Blog)
  • “Stasi-Mitarbeiter” ( Felix Hau, Redakteur der anthroposophischen Zeitschrift “info 3″)
  • “Linksfaschist? faschistischer Anspruch” (Christian Grauer, Schachtelhalm.net)
  • “notorischer Querulant” (Zitat Lorenzo Ravagli: “von denen der eine als notorischer Querulant schon seit Jahren seine Phantasien über die Seminarerlebnisse vermarktet, unter anderem auch auf Tagungen die von evangelischen Sektenbeauftragten organisiert werden”)


Beim Prozess des Bundes der Freien Waldorfschulen gegen das ZDF, Frontal 21, suggerierte man, ich hätte am “Seminar für Waldorfpädagogik Berlin” keinen Abschluss gemacht, was eine an Dreistigkeit nicht mehr zu überbietende Lüge ist, siehe meine Studienurkunde:

Studienurkunde von Andreas Lichte

Anthroposophen wiederholen diese Lüge, jüngst bei info 3:

“Waldorf -  knallhart retschertschiert” (der Artikel und im Anschluss meine Antwort als Kommentar)

REIHL:

Sehen Sie eine Perspektive für die Waldorfpädagogik, sich jemals zu einer positiven Reformpädagogischen Schulform zu entwickeln?

LICHTE:

Nach allem, was ich gesagt habe, wie ist Ihre Einschätzung?

REIHL:

Herr Lichte, ich danke Ihnen recht herzlich für dieses Gespräch.


10 Antworten auf ““Seminar für Waldorfpädagogik Berlin” - ein Interview mit Andreas Lichte”

  1. Bettina Ruloff sagt:

    Liebe Leser,
    ich kann Herrn Lichte nur beipflichten.
    Meine Kinder wurden z.T. jahrelang von solch ausgebildeten Lehrern betreut und unterrichtet, weil ich nicht aufmerksam genug war. Sie kamen manches Mal in haarsträubende pädagogische Situationen.
    Auch fließen Mystik und Esoterik immer wieder in den Unterricht mit ein. Mein Sohn lernte in der 5. Klasse Geschicht die Lehre von Atlantis als Tatsache.
    Eine nett lasierte Schule, freundliche Lehrer, heimeliger Basar und das viele Schulgeld sagen noch nichts über die Qualität einer Schule aus. Man sollte auch nicht den Fehler machen zu glauben, wenn die Anthroposophen von Menschen aus Politik, Wirtschaft und Fersehen unterstützt werden, muss es ja gut sein. Auch das Argument “viele haben Recht” kann nicht gelten. Dafür sind wir aufgeklärt genug.
    Demokratie und Freiheit sind Fremdwörter an waldorfeinrichtungen. Hierarchie und “eingeweiht sein” machen dies schier unmöglich. Fragen und Kritik sind nicht angebracht und werden vehement abgebügelt.
    Ich halte es für völlig falsch und unrealistisch zu glauben, man könnte zu Waldorfschulen gehen ohne Anthroposoph zu sein.
    Es sei denn man macht die Augen fest zu. Aber was nüzt das meinem Kind!!!
    Viele Grüsse
    B. Ruloff

  2. S. Hollmann sagt:

    Liebe Leser,

    endlich jemand, der unverblümt und offen über die Waldorfschule berichtet. Weiter so!

    Ich selber bin ehemalige Waldorfmutter, mein Sohn besuchte die Klassen 1 - 4.

    Von “Fördern und Fordern” kann in der Waldorfschule keine Rede sein, jedenfalls nicht in der Schule, in die mein Sohn ging. Der Lehrer meines Sohnes war mit der Klasse (38 Schüler) völlig überfordert, zumal er obendrein das erst Mal eine Klasse führte, und wie ich heute sagen kann, völlig unqualifiziert war. Der Epochenunterricht (Unterrichtseinheit von mehreren Wochen) war das reinste Wischi-Waschi: oberflächlich, schlecht vorbereitet und durchgeführt. Für Rechen-, Schreib-, und Leseepochen wurde in der Klasse meines Sohnes freiwillige Elternhilfe benötigt. Wenn der Lehrer scheitert, was natürlich niemals offen gesagt wird, sind die Eltern gefragt.

    “Ganzheitlich, Körper, Geist und Seele” wird propagiert, praktiziert wird das Gegenteil. In der Waldorfschule lebt und lernt man nach der Devise “Rudolf Steiner hat gesagt …”

    Der ganze Schulablauf ist sehr stark strukturiert, ritualisiert und lässt für Freiheit keinen Raum. Mit heutigem Wissen kann ich sagen: hier werden Kinder und Jugendliche manipuliert - zu tun, zu denken und zu glauben, was die Waldorfschule will, die Eltern werden gleich mit eingeschlossen. Eigene Meinungen, Gefühle und Wünsche werden unterdrückt.

    Esoterik spielt eine große Rolle. Allein schon bei der Eurythmie, die an Waldorfschulen Pflicht ist. In der Eurythmie sollen Sprache und Musik durch Bewegung ausgedrückt werden. Dabei gibt es, wie immer bei Waldorf, von Rudolf Steiner fest vorgegebene Gebärden für jeden Sprachlaut. Freiheit gibt es nicht, haben die Sprachlaute doch eine kosmische Bedeutung, die bei Wiedergabe strengstens beachtet werden muss.

    Hat Steiner nicht von der “Philosophie der Freiheit” gesprochen - ein leeres Versprechen oder nur ein Versprecher? “Philosophie der Freiheit” ist der Titel eines von 370 Werken Steiners.

    Mein Sohn war Mobbingopfer, das Waldorfsystem als auch der Waldorflehrer konnten mit dieser sehr wohl bekannten Situation nicht umgehen.

    Disziplinarische Maßnahmen in einem Bagatellfall bei meinem Sohn führten zum Essensentzug.

    Die Klassen werden in den Waldorfschulen als Schicksalsgemeinschaften betrachtet. Mit Eintritt in die Waldorfschule begibt man sich automatisch in ein Abhängigkeitsverhältnis, ohne sich dessen bewusst zu werden. Der Lehrstoff der Waldorfschulen ist so angelegt, dass Kinder beim Wechsel auf eine öffentliche Schule erhebliche Wissenslücken haben, die nur sehr schwer oder gar nicht zu schließen sind. Es sollte doch wohl selbstverständlich sein, das Kinder und Jugendliche an eine andere, auch öffentliche Schule wechseln können, ohne riesige Wissenslücken und seelische Schäden aus der Waldorfschule im Ranzen mitzunehmen.

    Ein Skandal, dass hier die Schulaufsichtsbehörde nicht reagiert, und ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt.

    So ließe sich mein Erfahrungsbericht noch weiter ausführen.

    Viele Grüsse

    S. Hollmann

  3. Elke Reihl sagt:

    Lieber Leser,

    Ich bin im Internet noch auf eine Familie gestoßen, die ihre negative Erfahrung mit Waldorf veröffentlicht hat.

    Hier ihr Bericht:
    http://www.waldorf-beratung.de/freie-waldorfschule-bothfeld.pdf

    Und hier ein Forum dazu:
    http://www.waldorf-beratung.de/forum/index.php?topic=7.0

  4. Ramon DJV sagt:

    Gute Nacht Elke,
    Hello,

    If you don’t mind I prefer writing in English. I ‘m a Dutch speaking Belgian and though I can understand German, I make too many mistakes writing it. To introduce myself: I’m well known with Rudolf Steiners anthroposophy. The last 16 years I’ve been reading a lot of Steiner, purely out of interest. I worked as an educator on a steinerschool, was in the board of that steinerschool, I worked as a volunteer for the Rudolf Steiner Academie, have studied at an anthroposophical highschool and 3 of my children went a few years to two different steinerschools. So I can say when I come to speak of steinerschools and anthroposophy it is out of my own experience as an insider.

    The man you interviewed, Andreas Lichte, posted some comments on my website, on which I mainly report critical about steinerschools. I recognize many things of which Andres Lichte speaks. It seems to me that the main problem is that there is a lack of consciousness in the steinerschools.

    If you take for example the teachers. Can we blame all of them? I don’t know. I think some of them are really naive and really doing the best they can for the children in their class. Question is: when they didn’t had a teachers apprentice, out of what are they making the best? Some of whom I met made the impression of being brainwashed. They were always staring at the horizon (I guess). But as for me there are also teachers who damn well know that they are doing something that is better bewared as a secret. I have no idea wether this last category is a majority. As far as I can see here in Belgium they’re not, because a lot of starting educators at Belgian steinerschools just repeat what they in blind faith (or believe) hear from their ‘leaders’. Those leaders on the contrary are well conscious about what they are doing; they are letting other people say what they think (or at least trying to), without encouraging those people to think for themselves. This is how I felt it towards myself. Could we object when anyone would call this brainwashing and that because of this practice steinerschools are called sects? I don’t think so.

    Something else I would like to say is that the manner in which a lot of former steinerschool students report of their education on the ‘unterstufe’ of a steinerschool seems to be some kind of standard procedure. Like the school was nice and cosy, they had sweet and kind teachers, had a good time, etc… It feels like those words miss substance.

    From modern child psychology however, we know that children take any situation in which they grow up as a normal situation, wether it’s a good situation or a bad. They do this out of selfprotection. I met former steinerschool students who testified that their teacher pulled them out of the claas by their hair. They have always thaught this was normal, until they many years later, as adults, could form their own conclusions on the hand of what they heard friends and relatives say about this mistreatement.

    A lot of children on steinerschools are floating on anthroposophical myths (like good and evil) and need to come to consciousness before they can explain how there time on their school has been. I think someone has to re-activate their own inner life, so that they can think and feel for their own, instead of repeating what their former teachers want them to tell the world about the steinerschool (not only children , but also adults are so kind to fill in expectations formed by others)

    A while ago I told this story to someone I met and I realised it had something in common with George Orwells ‘Animal Farm’. I hope I’m not going too far in this matter for you, but this is how I see it. I think the great danger in the anthroposophical movement is that a few people who have consciousness of what anthroposophy stands for are trying to convince, one could say implant their ideas into people who don’t know what anthroposophy stands for. In that manner it becomes an unconscious power controled by others. And that’s abuse. For good order: I don’t have anything against anthroposophist or their believe, on the contrary. But to use steinerschools as a Troyan horse is not the right manner to reach a so called spiritual goal. One cannot force ‘knowledge of higher worlds’ into people who aren’t fit for it. It’s time the anthroposophical movement comes out of the closet.

    With kind regards
    Mit freundlichen Grüßen

    Ramon De Jonghe Verachtert

  5. Ingo sagt:

    Anscheinend gibt es auch ehemalige Waldorfschüler, die dem “System” sehr kritisch begegnen, wie folgender Kommentar
    (hier gefunden: http://instant-eistee.de/2008/12/bekenntnisse-eines-waldorfopfers/)
    zeigt:

    “Lieber Sims Alabim,

    Nun bin ich Student in einer technischen Hochschule und habe meine Schulzeit in staatlichen und anthroposophischen Schulen in verschiedenen Staaten verbracht. Meine frühe Kindheit wurde durch die Anthroposophie recht intensiv geprägt: Ich ging zum anthroposophischen Kinderarzt, ging wöchentlich zur Kindereurythmie, hatte Eltern die im anthroposophischen Umfeld erwerbstätig waren, aß biodynamische Erzeugnisse, um nur Beispiele zu nennen. Sogar einige Konferenzen Steiners habe ich durchzulesen vermocht.

    Daraus hat sich meine eigene und äußerst subjektive Meinung über die Anthroposophie gebildet.

    Man kann lange darüber diskutieren ob die Anthroposophie eine Sekte oder keine ist. Letzteres hängt auch sicher davon ab welche Definition verwendet wird. In anthroposophisch oder esoterisch veranlagten Kreisen kann ich aber einfach der Versuchung nicht widerstehen die Anthroposophie als Sekte zu bezeichnen.

    Ja, meine Einstellung gegenüber der Waldorfpädagogik und im weiteren Sinne der Anthroposophie ist radikal negativ geprägt. Mal eine anarchische Sammlung von Gründen:

    a) Als Lernender habe ich mich stets in staatlichen Bildungseinrichtungen von den Lehrern besser unterstützt und aufgehoben gefühlt.
    In Waldorfschulen hatte ich immer das Gefühl man sähe mich nicht als Mensch sondern als Vertreter einer bestimmten Entwicklungsstufe nach Steiner.

    b) Schüler mit überdurchschnittlichen intellektuellen Interessen und Fähigkeiten wurden nicht entsprechend unterstützt (sie waren als z.B zu exkarniert bewertet).

    c) Die meisten Eigenschaften die eine Waldorfschule ausmachen empfand ich eher als lästig.
    Anstatt sich intensiv und tiefgründig mit dem Unterrichtsstoff zu befassen mussten wir schöne Hefte gestalten. Entschuldigung, aber um mir die theoretischen Grundlagen des historischen Materialismus vertraut zu machen, lese ich lieber Karl Marx anstatt seinen Porträt zu zeichnen.

    d) Waldorfschulen sind soziale Gesellschaften die im Vergleich zu staatlichen Schulen extrem homogen sind. Diese Homogenität bezieht sich nicht nur auf den sozialen Status der Eltern aber auch auf deren Weltvorstellungen, Normen und Werte. Ich sage nicht dass alle Waldorfeltern Anthroposophen sind, aber nur dass die Entscheidung seinem Kind zur Waldorfschule zu schicken mit bestimmten Weltvorstellungen korelliert.
    Das Problem ist bei solchen Gesellschaften, dass viele Vorstellungen die eine Kritik nötig hätten zu Selbstverständlichkeiten werden und eine Intellektuelle Armut entsteht. Für mich ist es wichtig das wirklich alles unter Frage gestellt werden kann und dies ohne jegliche Konsequenz für den Kritiker. Nur so ist Fortschritt möglich.

    e) Einer dieser Selbstverständlichkeiten ist die Sonderstellung Steiners und dessen Lehre. Diese Sonderstellung halte ich für höchst problematisch. Andererseits macht ist sie ein entscheidender Teil der Identität der Waldorfschule aus. Hier sehe ich eine art Zwickmühle…
    Steiner hat meiner Ansicht nach jede Menge Unsinn erzählt, darunter befinden sich einige interessante Ideen. Wenn erlebt wird, dass ein wohlgewähltes Zitat Steiners genügt um eine Meinung in gewissen Kreisen durchsetzen zu können, läuft irgendetwas schief.

    f) Die ganze Rassismusdebatte halte für höchstens unproduktiv. Sie entspricht dem Bedürfnis nach einfachen Antworten, es verleiht ihr einen populistischen Hauch. Ich meine, die Existenz einer Rassentheorie im Anthroposophischen Korpus bedeutet nicht dass alle ihre Aussagen falsch sind. Wagner war vermutlich Antisemit, er hat aber auch herrliche Musik komponiert.
    Aber eine Ausgrenzung deren die auf irgendeiner Weise von der Norm abwichen habe ich aber viel stärker in der Waldorfschule als anderswo erlebt. Dennoch denke ich dass die Ursachen nicht in Rassentheorien liegen.
    Die Tatsache, dass viele Waldorfschüler die gleichen Klassenkameraden vom Kindergarten an teilen, schafft eine Gruppendynamik mit viel weniger Toleranzvermögen.

    g) Dazu kommt noch, dass die in der großen Mehrheit viel zu permissive Art der Lehrpersonen negative Auswirkungen hat. Ich erwarte von Lehrpersonen dass sie den Schülern auch die moralischen Werte unserer Gesellschaft beibringen. Letzteres ist nur mit einer bestimmten Strenge, Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit zu bewerkstelligen die ich in der Waldorfschule nicht gefunden habe.

    Nur dass ich gut verstanden werde: Wenn ich auf die Anthroposophie Kritik ausübe bedeutet es noch lange nicht dass ich die Personen die dessen Gedankengut teilen verachte oder auf irgendeiner weise als minderwertig betrachte.

    permalink
    Helleborus, February 8, 2009″

  6. Elke Reihl (autor) sagt:

    @Ingo

    Danke für den Kommentar. Eine entsprechend kritische Haltung eines ehemaligen Waldorfschülers habe ich bisher noch nicht gelesen.

  7. Mijn hersenspinsels en onderbuik » Lemurien oder in Unsere Zeit?? Periodisering rasverschillen in Steiners uitlatingen sagt:

    […] Het spijt mij erg, maar dan kom ik toch op Helmut Zander, die het zo verwoordt (aangeleverd door Andreas Lichte op […]

  8. Elke Reihl (autor) sagt:

    Ein weiteres Interview mit Andreas Lichte vom Juli 2009:

    http://brightsblog.wordpress.com/2009/07/04/waldorfschule-vorsicht-steiner/

  9. NIGHTLINE » Blog Archive » Anthroposotralafiti sagt:

    […] Ein Interview mit dem Hospitanten […]

  10. Gertrud Kiefer-Volkert sagt:

    Waldorflehrer können nur überfordert und zugleich unterqualifiziert sein, wenn sie halbwegs vernünftig denken gelernt haben: Wer kann schon 8 verschiedene Fächer über 8 Jahre hinweg unterrichten, den dazugehörigen didaktischen und methodischen Überblick wahren, die Entwicklung des Faches im Auge behalten, nebenher Elternabende halten, Schulbazare organisieren, auf der Bühne stehen und auch noch die Schule managen, ganz abgesehen davon, dass ihn je nach privater Ausrichtung die anthroposophische Gesellschaft oder die Christengemeinschaft ihm auch noch etwas abverlangt und das alles bei miserabler Bezahlung? Es ist eigentlich ein Wunder, dass Waldorfschulen immer noch existieren.

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